Kulinarischen Audienz - Reinhard Laemmel
Zum Geburtstag des Königs Albert von Sachsen (April 1893)

Öffentliche Verschluss – Sache Nummer 468258 - 12.04.2011

Er ist allgegenwärtig und hat sich seit gut 120 Jahren nur in einer kleinen Nuance verändert. Hobbybastler gestalten Pinwände mit originellen Motiven davon. Aus dem Alltag der Biertrinker ist er nicht mehr wegzudenken und Sekthersteller verwenden ihn oft zum Verschließen der Bouteillen für die zweite Gärung ihres prickelnden Edelgetränks.

Mit ihm gelang es nämlich auf die bis heute praktischste Art, kohlensäurehaltige Getränke  dauerhaft in Flaschen einzusperren.
Seine gute Bedruckbarkeit gibt Getränkeherstellern die Möglichkeit, ihre Produkte individuell zu präsentieren.
Das wiederum aktivierte die Sammlerseelen rund um den Globus.
Denn neben sonstigen Accessoires rund um die Bierflasche wie Bierdeckeln, Flaschenöffnern oder Etiketten werden auch die Kapselverschlüsse der Flaschen gesammelt.
Beim USA Patentamt wurde die Erfindung am 2. Februar 1892 einst als Crown Cork zu dem Zweck: „ Flaschen ebenso fest und verlässlich wie mittels Korkstößel und Draht oder Schnüren zu verschließen und dabei die Kosten des Verschlussmaterials zu verringern“, eingetragen.
Zunächst fand der Kronkorken in der Flaschenbierherstellung nur geteilte Aufmerksamkeit. Noch 1918 heißt es in einem Buch über ‚Kalamitäten in der Brauerei’:
„ Kork ist hauptsächlich für Flaschenbiere, die für weiten Transport bestimmt sind, den anderen in der Praxis am meisten im Gebrauch befindlichen Verschlussarten wie Drahtbügel, Drahthebel und Kronenkork vorzuziehen“.
Die kreisförmige Weißblechkapsel entpuppte sich dennoch mit der Zeit als idealer Flaschenverschluss, der sich auch bestens per Magnetabscheidung aus dem Hausmüll heraus recyceln lässt.
Daran hatte der irisch - amerikanische Unternehmer William Painter bei der Anmeldung seines 85. Patents noch nicht gedacht.
Trotzdem wurde es der große Wurf seiner Tüftlertätigkeit, nachdem im Vorfeld Erfindungen wie Frühstücks - Eier – Köpfmaschinen und andere Kuriositäten der Durchbruch versagt blieb.
Seine kleinste Idee wurde schließlich die größte, denn über alle Kontinente hinweg ist der Kronkorken inzwischen zum meistverwendeten Flaschenverschluss in der Getränkeindustrie geworden.
Weltweit werden jährlich etwa 50 Billionen Stück produziert.
Bisher sind dem unscheinbaren Blechdeckel nur einmal Zacken aus der Krone gefallen. Anfangs besaß das gute Stück nämlich 24 Zacken, die auf 21 verringert wurden.
Damit ließ sich technisch die für das Verschließen von Flaschen erforderliche mechanische Kraft problemlos symmetrisch auf eben 21 Druckpunkte verteilen.
Für den privaten Haushalt gibt es sogar Hand – Kronenverkorker, mit deren Hilfe eine geöffnete Bierflasche wieder mit einem neuen Kronkorken absolut dicht verschlossen werden kann.
William Painter gründete noch im gleichen Jahr seiner letzten Erfindung die Crown Cork & Seal Company in Baltimore, die noch heute zu den namhaftesten und umsatzstärksten Herstellern im Bereich „Verschluss und Verpackung“ von Getränken aller Art, Dosen, Abfüllanlagen und natürlich Kronkorken produziert.