Kulinarischen Audienz - Reinhard Laemmel
Zum Geburtstag des Königs Albert von Sachsen (April 1893)

War der Dresdner Stollen überhaupt ein Gebäck, das den Fastenregeln unterlag? - 28.12.2013

Nach derzeitigem Erkenntnisstand wurde Dresdner Stollen zwar in der Fastenzeit gebacken, aber erst danach gegessen.

Im kirchlichen Jahreskalender fällt die Stollenbäckerei in das Weihnachts-, Advents- oder auch Apostel Philippus Fasten vom 15. November bis 24. Dezember.

Bis zur Einführung des Gregorianischen Kalenders 1582 endete das Kirchenjahr am Heiligen Abend.

Der 24. Dezember war als letzter nur ein halber Fastentag.

Gegen 3 Uhr nachmittags, spätestens mit Erscheinen der Sterne am Himmel, war das Adventsfasten vorbei. Wer wollte, konnte sich wieder richtig sattessen.

Die Speisenfolge beim erzgebirgischen Neunerlei Essen am 24. Dezember bestätigt das, mit Bratwurst, Semmelmilch, Schweine- oder Hammelbraten.

Der seit 1434 immer am 23. Dezember in Dresden stattfindende Fleischmarkt, aus dem erst um 1500 der Striezelmarkt hervorging, diente bis zu seiner Erweiterung ausschließlich dazu, sich mit Fleisch für den Heiligen Christabend und vor allem die Tage danach einzudecken.

Man begann schon einen Tag vor Ende der Fastenzeit zu backen, zu brutzeln und zu köcheln.

Den Stollen buk man noch wesentlich früher, weil er bekanntlich reifen musste.

In der Sächsischen Volkskunde heißt es: Vor Heiligabend Kuchen, ab Heiligabend Stollen. Stollen wurde nicht vor dem Heiligen Abend angeschnitten, nämlich frühestens am Nachmittag des 24. Dezember.

Dahingehend irrt Lenelies Pause nicht, wenn sie schreibt: Der Stollen, Striezel oder Strüzel wird von den Hausmüttern am Christabend der Familie gespendet.

Das bedeutet, der Christstollen unterlag nie den Speisebeschränkungen der Fastenzeit, weil das Advents-Fasten beim Stollenanschnitt schon vorbei war.

Einen bischöflichen oder päpstlichen Dispens zur Freigabe von Butter und Milch als Backzutat für den Stollen hätte es deshalb gar nicht bedurft.